Er steht genau gegenüber von mir auf der anderen Seite der Strasse. An seinen trägen Augen kann ich sofort erkennen, dass er sich genauso mies fühlt wie ich. Die Nacht war viel zu kurz und mein Körper ist der Meinung unaufhörlich gegen Pollen ankämpfen zu müssen, wie Don Quijote gegen Windmühlen.
Als er vor der roten Ampel kapituliert und sich auf den Bordstein setzt schleifen seine Tränensäcke fast auf dem Boden. Zwischen ihnen baumelt seine Zunge.
Fett ist er und schwitzen muss er wie ein Schwein, auch wenn man nichts erkennen kann.
Jetzt wird ihm auch das Sitzen zu anstrengend und er legt sich hin. Mensch denk ich, – pass doch auf Deine Flossen auf!- die liegen halb auf der Strasse und die Idioten rasen mit Vollgas haarscharf an ihm vorbei.
Ihn juckt das überhaupt nicht, er starrt aus seinen riesigen, ovalen Augen hypnotisch zu mir rüber.
Ja, recht hast Du, vielleicht sollte ich mich auch einfach hier hin hauen und noch ein Bisschen Schlaf nachholen. Sorry, bin zu spät weil ich unterwegs an der Ampel eingeschlafen bin! Das kann einem dochniemand übel nehmen oder?
In dem Moment springt die Ampel auf grün und das Herrchen meines Gegenübers, es steht gebückt, da es ihn am Halsband hält und er es fast mit auf den Boden gezerrt hätte, versucht ihn hoch und über die Strasse zu wuchten.
Nach einem kurzen Augenblick gibt er, der schwarzweisse “Bernhardiner + X” Mischling, nach. Wahscheinlich um seinem Herrchen Peinliche Diskussionen zu sparen erhebt er sich und trottet über die Strasse.
Noch einmal streift mich kurz sein Blick. Na gut, dann geh ich eben auch.

Herr Timo 1. Juli 2006
Schöne Wendung! Sehr amüsant!
Daniel 1. Juli 2006
Dankeschön!
Ich dachte ja. dass man es ab der baumelnden Zunge schon merkt