Die Typen von oben

Die komischen Gestalten im Hinterhof haben heute Flugunterricht!

Zuerst dachte ich ja da sei ein süßer Kleiner auf unser Fensterbrett gestürzt weil ein großer Böser versucht hat ihn in der Luft zu zerhacken. Aber als der Große dann den anderen kleinen auf dem gegenüberliegenden Sims gefüttert hat war die Sache klar.

Ja, ich weiß, als Biologe hätte ich das sofort erkennen müssen, aber erstens bin ich kein Ornithologe und zweitens sowieso ein ziemlicher Spasst was Arten angeht. Jedenfalls können die Typen, die direkt über uns wohnen und den geschlagenen Tag am rumschreien endlich fliegen.

Das dies kein Garant für einen schnellen Auszug und somit Ruhe ist haben wir jedoch die letzten zwei Jahre mitbekommen. Nachdem sie flügge waren wuchsen sie zu etwas vergleichbarem wie Teens heran. Und wie das so ist stehen pubertierende Wesen aller Arten nunmal darauf ihre Grenzen zu testen, also flogen sie, pünktlich ab 5:00 Uhr morgens, mit ihrer gesamten Gang ein waghalsiges Manöver nach dem anderen durch den Hinterhof.

Meist bestanden diese darin im Sturzflug über die Dachkante zu schiessen, drei bis fünf runden zu drehen und dabei so laut wie möglich zu schreien, dann in den nächsten Hof zu fliegen, und nach ca. 5 Minuten zurück zu sein um den ganzen Spass zu wiederholen.

Aber wenn ich ehrlich bin nerven mich die Piepmätze dieses Jahr noch garnicht wirklich, wahrscheinlich überwiegt die Freude, dass nach diesem Winter überhaupt noch Vögel den Weg nach Deutschland gefunden haben.

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0 Responses to Die Typen von oben
  1. Dirk Broßwick

    Dein liebes Tagebuch,

    mit großer mitleidenschaft könnte ich die Gefühle von dir für die kleinen Wesen nachvollziehen. Mit alljährlicher pünktlichkeit fangen bei uns im Hof am 23.05 die Flugübungen und Orientierungsflüge der gefürchteten Berlin Spatzen an. Zuerst wird der Sinkflug und das Dahingleiten geübt, letztes Jahr gab es an diesen Tag sogar Verletzte, als einer der kleinen Pioniere das GPS in der nächtlichen Dunkelkeit um 4:30 Uhr nicht ablesen könnte. Er verfehlt die Dachrinne und übte den Gleitflug in den Hofboden, wo zwei Katzen schon andächtig lauerten. Das getöse der Fr. Mama-Spatz war dadurch um so größer, das merken auch die direkten Anwohner des Übunggelände. Plötzlich ging es hier wie auf einen Größfluhhafen ala Schönefeld zu. Alles war in der Luft, und schnabelte was das zeug hielt. Nur gegenüber von unseren Fenster wo sich die Startbahn der Jungpiloten befand, herrschte ruhe, der Schock saß wohl tief, nur der blick in die Tiefe gelang ihnen.
    Sofart nach dem die Situation erkannt worden war, traff sich auf der Dachrinne Nord/West Startbahn 2 auch schon das Krisenkomando. Es wurde eine Taktik ausgearbeitet und laustark ausdiskutiert, für alle die weiter weg waren und trotzdem zuhören wollten.
    Nach dem das erste Jagtgeschwarder “Piepmatz 1″ den ersten Angriff geflogen hatte, und der Jungpilot gerettet schien kam zur Sicherheit auch noch das Geschwarder “Piepmatz 2″ zum Einsatz. Diese Takttik setzten die Jagtgeschwarder etwa 30min fort, bis die Katzen den Rückzug antraten. Mit dieser Taktik konnte der Jungpilot gerettet werden. Leider bekammen das auch alle Anlieger des Übungsflughafen mit. Die folgenden Tage verliefen das schon etwas gemäßigter. Aber an das Nachtflugverbot hielt sich trotzdem nur Tegel.
    Das Ergebniss dieser Aktion war eine Sammelklage gegen den Übungsflughafen in unserem Hof, mit dem Ergebnis das dieses Jahr seid dem 23.04 die Übungflüge von Schwalben geflogen werden und nicht mehr von Spatzen. Aber bis jetzt muss man die Schwalben loben, jeder Neuling hat anscheind einen extra Kurs in sachen GPS und Orientierungflüge bei Nacht gemacht, so das ein Instrumentenflug bei totaler Dunkelheit möglich ist und es nicht zu Unfällen führt.

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